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Dazu muss man sich fragen: „Was heißt Alltagstauglich?“ Alltagstauglich heißt, dass der Hund keine Radfahrer anspringt, keinen Joggern nachläuft, sich im Auto ruhig verhält, im Kaufhaus keine Leute ausbellt, keine Katzen jagt usw. Alltagstauglich heißt aber auch, dass der Hund in seiner spezifischen Umwelt für sich und andere keine Gefahr darstellt, sich stressfrei bewegen kann und großes Vertrauen zum Hundeführer hat.

Um das zu erreichen, ist es wichtig mit dem Hund möglichst viele Dinge zu unternehmen. Damit gibt man ihm die Möglichkeit, sich an seine Umwelt zu gewöhnen und zu lernen, wie er sich zu benehmen hat. Man könnte also sagen, dass bereits in der Sozialisierungsphase ein Teil der Erziehung passiert. Denn gerade in dieser Zeit lernt der Hund am einfachsten was normal ist und was nicht. Es bildet sich in gewisser Weise ein Referenzsystem aus. Je mehr Eindrücke ein Hund in der Sozialisierungsphase sammeln kann, desto mehr Nervenverknüpfungen entwickeln sich im Gehirn. Der Hund kann besser lernen, kommt mit der Umwelt besser zurecht und kann sein Verhalten den neuen Situationen besser anpassen. Man kann also behaupten, der Hund wird dadurch selbstsicherer, er findet sein emotionales Gleichgewicht.
Es ist bei den Welpen allerdings darauf zu achten, dass sie nicht mit den Eindrücken überfordert werden. Es ist besser, man unternimmt mit dem Hund öfter, aber kürzer kleine Abenteuer und nicht nur am Wochenende 10h durchgehend. Man muss dem Hund immer wieder Zeit geben, die neuen Eindrücke zu verarbeiten. Stress ist für den Hund dabei unter allen Umständen zu vermeiden.

Aber zur Erziehung gehört nicht nur die Gewöhnung an seine Umwelt, sondern auch die Folgsamkeit. Das ist dann meistens der Zeitpunkt, wo die Hundebesitzer in die Hundeschule gehen. Dabei wird völlig vergessen, dass Hundeschule gleichzusetzen mit Sportschule ist.

Die Begleithundeprüfung wird als Alltagstauglichkeitstest verkauft, ist aber in Wirklichkeit Unterordnung d.h. Sport. Die Kommandos sind genau definierte Anweisungen, die vom Hund jedes Mal befolgt werden müssen bis sie aufgehoben werden. Dabei ist es völlig unwesentlich, ob die Kommandos Sinn machen oder nicht.

Die Definition des Kommandos „Bei Fuß“ lautet z.B.: Der Hund soll dicht, freudig, und aufmerksam auf Kniehöhe des Hundeführers laufen, ohne ihn zu bedrängen. Wenn ich mir vorstelle ich gehe mit meinem Mann in ein Kaufhaus, sehe dort viele tolle Geschäfte, gute Kaffeehäuser, interessante Leute und muss permanent neben meinem Mann herlaufen und ihn freudig anhimmeln – so wird meine Freude sehr bald verflogen sein und meine Aufmerksamkeit wird sich in Grenzen halten. So muss sich der Hund fühlen, wenn er auf den Hundeplatz kommt: viele tolle Gerüche im Gras, lauter bekannte Hunde, eine super Spielwiese und er muss „bei Fuß“ laufen. Kein Wunder wenn`s mit der Konzentration nicht so klappt. Also greift man zu den Leckerlis, um dem Hund die Sache schmackhafter zu machen, aber man vergisst dabei, dass der Hund nicht dich sondern nur das Leckerli anhimmelt. Ein weiteres Problem ist oft, dass der Hund auf Grund seiner Lerneigenschaften, die Kommandos mit dem Platz verbindet und sie außerhalb des Platzes nicht mehr kann. Also was macht man? Die Unterordnung geht zu Hause weiter. Vom Hund wird nun permanent verlangt, sich unterzuordnen. Der eigene Wille des Hundes wird unterbunden.

Eine „Befragung zur Haltung und zum Verhalten der Rasse Dobermann in Deutschland“ (Satter Diana, 2003) hat folgendes gezeigt: Kombinationen aus Begleithunde-, Schutzhunde- und Fährtenhundeprüfungen wurden deutlich häufiger von Hunden der aggressiv auffälligen Gruppe bestanden. D.h. die Hunde die unter extremen Gehorsam standen und eigentlich perfekt im Benehmen sein müssten, zeigten am häufigsten aggressives Verhalten. Weiter wurde gezeigt: Überproprtional häufig war bei der aggressiv auffälligen Gruppe angstaggressives Verhalten gegenüber fremden Personen zu sehen. D.h. die Hunde mit dem meisten Gehorsam waren gleichzeitig die unsichersten Hunde. Also genau das Gegenteil von dem, was man für die Alltagstauglichkeit braucht. Ebenso waren auch aus dieser Gruppe die häufigsten Bisse innerhalb der Familie zu finden. Eigentlich nicht überraschend, wenn man bedenkt dass der Hund sich permanent unterordnen muss, so geht das zu Lasten der zwischenartlichen Beziehung.

Aber wie soll man dem Hund nun Folgsamkeit beibringen?
Wie eingangs erläutert ist es wichtig, mit dem Hund möglichst viel zu unternehmen, um ihm Selbstsicherheit zu geben. Durch diese gemeinsamen Erlebnisse lernt man seinen Hund und er seinen Halter gut kennen. Jedes neue Ereignis löst beim Hund eine Reaktion aus. Die Aufgabe des Halters ist es nun, diese Reaktion richtig zu deuten und dementsprechend zu reagieren. Es ist daher enorm wichtig, die Verhaltensweisen der Hunde zu verstehen und richtig zu interpretieren. Auf diese Weise zeigt man dem Hund, dass man ihn ernst nimmt und nicht ignoriert – es baut sich ein Vertrauen zwischen dem Hund und seinem Halter auf. Auf Grund dieses Vertrauens werden schon einige Probleme im vor hinein verhindert. Der Hund lässt sich überall anfassen, Körperpflege ist kein Problem mehr, er lässt sich ins Maul greifen und bleibt in heiklen Situationen ruhiger, da er jemanden an der Seite hat, dem er vertraut.

Durch die gemeinsamen Erlebnisse baut sich nicht nur ein Vertrauen auf, sondern es entsteht eine enge Bindung zwischen dem Hund und seinem Halter. Der Hund schenkt dadurch seinem Halter mehr Aufmerksamkeit und lernt die Körpersprache, Mimik und Stimme des Menschen zu interpretieren. Man kann dann durchaus seine Enttäuschung über ein Fehlverhalten des Hundes zeigen, indem man z.B. die Arme verschränkt und böse schaut. In vielen Situationen wird diese Gestik schon ausreichen, um den Hund in seiner Aktion zu stoppen.

Leider funktionier das nicht in allen Situationen, dazu benötigen wir trotzdem Kommandos. Es liegt in unserer Verantwortung, den Hund und auch die Gesellschaft nicht zu gefährden. Ich nenne diese Kommandos gerne Sicherheitskommandos, und so sollten sie auch verwendet werden. – dazu gehören z.B. pfui, komm, Stopp, Platz.
Diese machen aber Sinn für den Hund und werden dadurch leichter gelernt. Z.B. Pfui! Wenn der Hund etwas frisst, was er nicht verträgt, so sagt man „pfui“. Frisst der Hund es trotzdem, weil er das Kommando nicht kennt, so wird er, wenn das Gefressene nicht gut war, sehr schnell merken, dass es besser ist auf das Kommando zu hören. Frisst er es nicht, so habe ich die Möglichkeit, ihm etwas Besseres anzubieten- ein gutes Leckerli. Der Hund lernt so freiwillig auf Ungenießbares am Boden zu verzichten. Ein weiteres wichtiges Kommando ist „Platz“. Will der Hund gerade über eine Zugschiene laufen und ich verhindere es mit Platz und dann kommt der Zug mit 200km vorbei- so weiß der Hund: das Kommando war richtig (ich würde das Beispiel allerdings nicht zum Lernen verwenden- sonst war`s das letzte Kommando!). Ich glaube, der Unterschied zu den Kommandos am Hundeplatz ist nun jedem klar. Es ist also wichtig, Erziehung nicht mit Abrichten zu verwechseln, dann bekommt man mit Sicherheit einen tollen, alltagstauglichen Hund.

(Autorin: Daniela Schaufler – Traineranwärterin in Buc’s Academy)

Trainerwahl

Was unterscheidet einen professionellen Trainer von den Hundeschulen, Vereinen und Ausbildern, die Du sicher schon mehr oder weniger kennst?

1. Praktisch und real.
Ein Profi-Trainer achtet immer am meisten darauf, dass das Training sich für „reale Leben“ eignet. Das Wichtigste ist, dass Du und Dein Hund mit dem Training dauerhaft euren Alltag bestehen. Also auch noch lange nach einem erfolgreich abgeschlossenen Programm.
Wettkämpfe, Show und Agility sehen sicherlich nett aus, aber die meisten Hundehalter berührt das wenig.
Wenn Du es nicht im täglichen Leben, bei Spaziergängen, Besuchern, der Begegnung mit anderen Hunden, Katzen und so weiter anwenden kannst, dann ist dieses Training für das echte Leben nutzlos.

2. Testen und lernen
Ein Profi-Trainer wird nicht nur Deine Entscheidungen respektieren, er wird vor allem die Entscheidungen Deines Hundes respektieren. Spricht er auf eine Methode nicht positiv an, oder auf eine Belohnungsart, dann wird ein Profi-Trainer nach passenden Möglichkeiten suchen. Er wird herausfinden, wie Dein Hund am besten zu motivieren ist und ihn so zum Ziel führen.

3. Theorien und Erklärungen, die Sinn machen
Wie soll eine Methode, die für Dich keinen Sinn zu machen scheint, Deinem Hund einen Sinn vermitteln? Nicht alles, das irgendwo verbreitet wird, hat auch einen sicheren Hintergrund. Nicht jede Methode passt zu Dir und Deinem Hund.
Ein Profi bemüht sich, Dir alles zu erklären und logisch zu beantworten. Er wird Dich immer wieder fragen, ob Du es verstehst.
Es wird leider noch immer sehr vieles gelehrt, obwohl inzwischen klar ist, dass es völlig unsinnig ist.
Stell Dir doch selbst einmal bewusst nur die diese wenigen Fragen:
Warum muss der Hund immer links gehen? – Kann er nicht auf der Seite gehen, die für uns beide angenehm ist, solange er damit keiner Gefahr ausgesetzt ist?
Warum soll ich meinen Hund ignorieren, wenn er z.B, durch Hochspringen meine Aufmerksamkeit sucht? Wird er nicht weitermachen und irgendwann von mir enttäuscht sein, sein Vertrauen zu mir und meine Liebe zu ihm anzweifeln?
Warum darf mein Hund beim Spielen mit mir nicht gewinnen? Warum soll ich ihm den Spaß verderben, indem ich das Spiel unterbreche und ihn strafe.

4. Nah und fern
Du möchtest Deinen Hund nicht nur an der Leine halten. Du möchtest ihn in einem Raum, über einen Weg, auf einem Feld erreichen, rufen?
Ein Profi-Trainer wird Erfolge, in der echten Welt, mit und ohne Leine bewirken.
Die meisten Ausbilder betreiben ihr Geschäft zeitweise, wie ein Hobby. Eine ntensive Arbeit mit Hunden und die vielseitigen Erfahrungen fehlen ihnen. Ein Hund, der durch Angst ausgebildet wird, kann kein zuverlässiger Hund werden, der immer gern zu Dir kommt, eben um bei Dir zu sein, nicht weil er Schmerz fürchtet.

5. Menschen
Ein Profi beweist auch im Umgang mit Menschen Geduld und Humor. Er vermittelt zwischen Dir und Deinem Hund, lehrt Euch Verstehen und Verständigung.
Er erklärt seine Theorien, ist zu diskutieren bereit und beantwortet Fragen. Ein Profi ist aber auch ehrlich zu Dir.

6. Einfach und kompliziert
Es ist für viele Ausbilder ein Problem, eine komplexe Sache einfach auszudrücken. Ein Profi ist immer bemüht, alles für Dich und Deinen Hund möglichst einfach und klar zu erklären. Du solltest ihm aber soweit entgegenkommen, zu fragen und unklares noch einmal erklären zu lassen.
Ein Profi legt viel Wert auf Kommunikation.

7. Offenheit
Viele Ausbilder haben Bedenken, ob sie Deinen Hund trainieren können. Eine völlig falsche Einstellung. Der Profi denkt daran, wie er Deinen Hund trainieren kann, nicht ob. Er wird seine Methoden anpassen und immer wieder die richtigen Wege für Deinen Hund suchen. Er ist flexibel und offen für neue Wege. Der Profi bildet sich ständig weiter, informiert sich über neue Methoden, bessert wieder und wieder sein bereits vorhandenes Wissen um Verhalten und Psychologie aus.

8. Magie
Die Arbeit mancher Profis erscheint den Hundehaltern wie Magie. Sie müssen sich hüten, nicht eifersüchtig zu sein, da ihr Hund ihnen zuhört und sie beachtet, ohne dass sie laut werden. Es scheint so einfach. Der Profi ist mit lockerer Art, Freude und spielerisch bei der Sache.
Du fragst Dich dann schon mal, wie sie das machen: durch die Erfahrungen mit vielen verschiedenen Hunden, ihre Einstellung, die Technik, das Wissen, die richtigen Hilfsmittel, gute Urteilsfähigkeit, oder, wenn Du daran glaubst, Karma.
Diese Profis mögen Herausforderungen, und arbeiten gern mit verschiedensten Rassen, wie z.B. auch: Rottweiler, Chow Chows, Akita, Dobermann, Pinscher, Pit Bull…

9. Hilfsmittel (wie z.B. Halti, Clicker)
Wenn ein Hilfsmittel bei Deinem Hund positiv wirkt, wird der Profi es finden und richtig einsetzen.
Ein Profi kann mit Hilfsmitteln umgehen, und wird sicher keine Gewalt anwenden. Er setzt das richtige Mittel, für Deinen Hund, zur richtigen Zeit in der richtigen Dosis ein. (Marterinstrumente wie Stachelhalsbänder, Kettenhalsbänder usw. gehören selbstverständlich nicht dazu) Unnötige Mittel werden nicht verwendet, hört ein Nutzen auf, so hört auch das Benutzen des Mittels auf. Eine unerwünschte Reaktion darf nicht eintreten. Und, wie gesagt, ein Profi ist gegen Gewalt.

10. Privat
Ein Profi arbeitet erst ohne Ablenkungen. Nach und nach werden Du und Dein Hund der echten Welt vorgestellt.
Du kannst nicht erwarten, in einer unsicheren, nicht familiären Umgebung mit unzähligen Ablenkungen für Dich und Deinen Hund, zu lernen. Krach, fremde Hunde, die betteln, mit Deinem zu spielen, Gerede usw. sind keine Umgebung, im der sich ein unerfahrener Hund konzentrieren könnte, und Du genauso wenig.
Deswegen beginnt ein Profi seine Arbeit mit Dir und Deinem Hund immer in Privatlektionen. So könnt ihr euch auf Gruppen-Lektionen, und auf die reale Welt vorbereiten. Schritt für Schritt.

Dies sind 10 Dinge, die einen professionellen Hunde – Trainer ausmachen.
Es gibt nur wenige sehr gute Profi-Trainer, vermutlich sind sie zusammen weniger als 3% der gesamten Branche.
Das macht sie selten, sie sind kaum in der Nähe zu finden, und sicherlich auch die höchst entlohnten Hunde-Experten, die man für Geld bekommen kann.
Sie sind exzellente Lehrer und brillante Instruktoren. Sie sind sehr zuversichtlich und selbstsicher, aber selten arrogant oder eingebildet. Sie sind gute Redner und genauso gute Zuhörer.
Sie lieben ihren Job, und einige widmen ihr Einkommen, um Hunden zu helfen, Hundehaltern und Hundefreunden, die ähnlichen Wegen folgen.
Es ist ein großer Unterschied, ob Dein Hund super dasteht, aber Du nicht die Fähigkeit, Geduld, die richtige Verständigung, und die Haltung hast, diese Technik anderen zu vermitteln.
Aber es gibt eben wenige solcher Trainer. Also reisen viele Menschen mit ihren Hunden und Familien um die ganze Welt, um dennoch von deren Talenten und Fähigkeiten zu profitieren.

Wie lernt der Hund

Jeder Hundebesitzer der seinen Hund erziehen will, muss sich irgendwann mit der Frage auseinander setzten: „Wie lernt ein Hund.“ Es gibt viele verschiedene Methoden einem Hund etwas beizubringen, und nicht immer führen alle Methoden zu dem gewünschten Ergebnis.
Wieso ist das so?
Ganz einfach – der Hund, oder besser gesagt seine Intelligenz, wird oftmals unterschätzt. Bei den meisten Erziehungsmethoden wird lediglich über Leckerli, auch positive Bestärkung genannt, oder über Zwang, negative Bestärkung, gearbeitet. Diese Art des Lernens nennt man auch „operante Konditionierung“. Ein typisches Beispiel: Der Hund legt sich auf den Befehl „Platz“ am Hundeplatz hin und erhält als Belohnung ein Leckerli. Der Hund führt somit auf Wunsch des Menschen eine Handlung aus und wird danach positiv verstärkt.
Doch wieso funktioniert diese, für uns Mensche sehr gut nachvollziehbare Methode – unsere positive Bestärkung ist das Geld, und ohne Geld funktionieren wir so gut wie gar nicht – bei manchen Hunden nicht mehr, wenn er am Hundeplatz längere Zeit liegen soll, oder wenn er einen anderen Hund sieht.
Die operante Konditionierung , ist wie der Name schon sagt eine Konditionierung – d.h. man versucht über ständige Wiederholungen eine Handlung zu automatisieren – es findet somit kein Denkprozess mehr statt, sondern es wird eine Handlung einfach aus Gewohnheit durchgeführt – bei uns Menschen wäre dass zum Beispiel das Auto fahren – wir schalten, kuppeln und lenken automatisch, ohne weiter darüber nachzudenken.
Aber ein Hund ist ein Lebewesen, wie wir auch, und er kann –auch wenn`s manchen schwer fällt es zu glauben, wie wir Menschen flexibel denken. D.h. wenn er keine Lust auf ein Leckerli hat, oder wenn der Hund interesanter ist, als das Leckerli – wird die operante Konditionierung versagen.
Jetzt stellt sich so mancher die Frage“ Und was macht man, damit der Hund sich verlässlich hinlegt und liegen bleibt?“ Meine Frage allerdings wäre „Warum soll der Hund am Hundeplatz liegen? Habe ich das Recht jederzeit von meinem Hund ein Platz zu verlangen, oder sollte ich auch auf die Bedürfnisse des Hundes Rücksicht nehmen, ihn als selbstständig denkendes Wesen akzeptieren und auf ein Platz ohne Sinn verzichten?“ Die verwunderliche Antwort zu den Fragen lautet:“ Akzeptiere ich den Hund als selbständig denkendes Wesen, wird er sich auch immer hinlegen, wenn ich es verlange, selbst dann wenn es keinen Sinn macht!!“ Ich glaube, sobald der Hund merkt, dass man ihn ernst nimmt und nicht nur beherrschen will, tut er es für dich! Auch wenn das sehr oft bestritten wird, es ist so!

Damit wären wir bei der nächsten Lernmethode: „Dem Lernen durch Einsicht“, oder auch kognitives Lernen genannt. Unter kognitivem Lernen versteht man, dass zwischen einem Problem und seiner Lösung ein Zusammenhang hergestellt wir. Ich konnte mich mit dem Lernen durch Einsicht bei Hunden lange nicht anfreunden, denn wie es oft der Fall ist geht eine Lernmethode nahtlos in eine Andere über. So wird der Sinn einer Übung vom Hund manchmal nicht sofort erkannt, er macht die Übung zuerst über operante Konditionierung, die dann aber in kognitives Lernen übergeht. Verwirrt? Ein Beispiel: Der Hund macht unter einem Tisch im Restaurant Platz, weil wir das Kommando geben und ihn anschließend dafür belohnen – operante Konditionierung – Jetzt kommt der Kellner zum Tisch nimmt die Bestellung auf, Leute gehen am Tisch vorbei, der Kellner kommt wieder bringt Getränke, Essen usw. Der Hund erkennt den Vorteil unter dem Tisch zu liegen, und nicht ständig von Fremden Leuten getreten zu werden. Beim nächsten Restaurant besuch, legt sich der Hund freiwillig, ohne jegliches Kommando unter den Tisch – er hat die Einsicht gewonnen- unter dem Tisch ist es bequemer. Was also über eine simple Konditionierung begonnen hat, geht in kognitives Lernen über. Und genau so sollte die Erziehung des Hundes erfolgen. Die Kommandos erhalten einen Sinn, der für den Hund erkennbar wird. Er wird uns freiwillig gehorchen in der weisen Voraussicht, dass unsere Kommandos einen Grund haben. Es baut sich somit ein Verhältnis des Vertrauens auf, das A und O einer sinnvollen Erziehung. An diesem Beispiel erkennt man deutlich, wann Kommandos ausgesprochen werden sollten, aber es zeigt auch, dass Kommandos richtig angewendet, dazu führen, dass man bald gar keine mehr benötigt, weil der Hund den Sinn erkennt und selbständig handelt. Es sei an dieser Stelle erwähnt, dass ich mit einem Platz-Kommando, nicht das im Sport übliche Platz meine, sondern einfach ein „Bitte leg dich hin“.
Im Gegensatz zu den Kommandos die einen Sinn bedeuten, sind Unsinn Kommandos, jene die lediglich dem Zweck der Unterordnung dienen. Befehle, die willkürlich vom Hundehalter ausgesprochen werden, ohne eine Bedeutung zu haben, wie das Beispiel „Platz“ auf einem Hundeplatz.
Basiert nun die ganze Erziehung lediglich auf Basis der „operanten Konditionierung“ ohne erkennbaren Sinn für den Hund führt das zu einer schlechten Kommunikation. Der Hund lernt uns zu ignorieren, da es für ihn keinen Grund gibt die Befehle auszuführen oder überhaupt auf uns zu achten. Diese Disharmonie in der Beziehung wird dann fälschlicher Weise als Ungehorsam interpretiert, ist aber aus Sicht des Hundes nur zu verständlich.

Ein weiteres Beispiel für kognitives Lernen, hat mir mein Hund geliefert: Wir waren im Wald vor einem Haufen großer Steine der eine Art Höhle mit zwei Eingängen gebildet hatte. Ich kletterte den ersten Eingang hinunter in die Höhle- mein Hund sollte nachkommen- aber was tat er? –er ging um die Höhle herum und kam von der anderen Seite zu mir- das war der einfache Eingang, ohne Kletterei. Wer war hier wohl der Blöde? Doch wohl nicht ich, oder? Wenn man glaubt das war Zufall, so kann ich jedem versichern, mein Hund schaut bei jeder Kletteraktion, ob ich den einfachen oder den schweren Weg gewählt habe und er findet den einfachsten Weg, manchmal ist es dann sogar mein Weg. Es gibt mehr solcher Beispiele, die kognitives Lernen beweisen würden, man muss dem Hund lediglich erlauben seinen Geist einzusetzen. Denn würde ich ihn Zwingen immer meinen Weg zu gehen, würde ich selbständiges Denken unterbinden. Aber wieso sollte ich das tun? Ich bin stolz einen intelligenten Hund zu haben und er kommt immer nach, also folgt er mir doch auf seine Art.

Zsolt, Fluffy und Summer

 

Aus den oben angeführten Beispielen wird nun ersichtlich, wie Erziehung sinnvoll erfolgt. Man bedient sich der „operanten Konditionierung“ als Hilfsmittel, aber ein wesentlicher Faktor ist das „kognitive Lernen“. Erst über diese Lernform erreicht man eine gute Zusammenarbeit zwischen den Partnern Mensch und Hund.

Das „kognitive Lernen“ ist auch der wesentliche Unterschied zwischen Erziehung und Dressur. Die Definition Dressur laut Wikipedia lautet: „Im Gegensatz zur Erziehung beim Menschen wird Tieren durch die Dressur beigebracht, auf Kommandos bestimmte Handlungen auszuführen, z.B. einem Hund, dass er sich auf Befehl „Platz“ hinzulegen hat.“ – und weiter heißt es: „Sie beruht auf bedingten Reflexen und auf die Fähigkeit…,durch Versuch und Irrtum und Wiederholung, neue Bewegungsweisen zu erlernen, die Erfolg(in Form sozialer Zuwendung oder Nahrung) bringen“. Dressur beruht also hauptsächlich auf „operante Konditionierung“, während sinnvolle Erziehung auch auf komplexere Lernformen wie z.B. das „kognitive Lernen“ zurückgreift.

Wie bereits oben angesprochen lernt ein Hund jedoch auf vielfältige Weise. Neben der „operanten Konditionierung“ und dem „kognitiven Lernen“ lernen Hunde auch noch über die „klassische Konditionierung“ , „Habituation“, „Lernen durch Beobachten“ und zu guter Letzt auch „komplexes Lernen“.
Die „klassische Konditionierung“ kann als Aufbau für die komplexeren Lernstufen angesehen werden. „Klassische Konditionierung“ bedeutet, dass ein neutraler Reiz zu einem konditionierten Reiz wird, der die selbe Reaktion auslöst wie der unkonditionierte Reiz .Beispiel: Ein neutraler Reiz wäre der Ball. Der unkonditionierte Reiz ist der Spieltrieb. Der Hund lernt: Der Ball bedeutet spielen und somit wird der Ball zum konditionierten Reiz. In vielen Fällen folgt also zuerst die „klassische Konditionierung“ bevor man mit der „operanten Konditionierung“ beginnen kann. Der Ball, das Lob und letztlich sogar das Leckerli sind konditionierte Reize, die mit dem Spieltrieb, Zuneigung oder Fresstrieb verknüpft werden – und dann als positive Bestärkung in der „operanten Konditionierung“ eingesetzt werden.
Aber auch der Mensch lernt auf diese Weise. Die Papierfetzten, die man Geld nennt, sind doch eigentlich wertlos, aber wir verknüpfen sie mit Autos, Häuser, Yachten – schon sind wir absolut manipulierbar. Also auch hier sind sich Mensch und Hund ähnlicher als man zuerst glauben mag.

Doch um sich in seiner Umwelt zurechtzufinden benötigt man noch andere, einfachere Formen des Lernens. So z.B. die„Habituation“ – Gewöhnung. Sowohl der Mensch, als auch der Hund gewöhnen sich an laute Geräusche, Gestank, unheimliche Figuren, enge Räume usw. Viele Dinge die uns anfänglich Angst machen, werden zur Gewohnheit und sind uns ebenso wie dem Hund bald egal.
Aber das Umfeld in dem wir leben, besteht nicht nur aus leblosen Gegenständen sondern auch aus Lebewesen mit denen man kommunizieren möchte. Gerade die Kommunikation lernt man über„Lernen durch Beobachten“. Wieder eine Methode des Menschen und des Hundes. Speziell Kinder oder Welpen lernen von ihren Eltern durch abschauen. Jeder der Kinder hat, weiß wie schnell sich Kinder Schimpfwörter merken und ebenso lernen Welpen von ihren Eltern über Gestik, Mimik und Laute miteinander zu kommunizieren.

Es wird nun ersichtlich, wie viele unterschiedliche Formen des Lernens es gibt, und das manche Lernformen für die Erziehung besser geeignet sind als andere, die wiederum andere Bereiche abdecken. Wobei man aber nie vergessen darf, es können mehrere Methoden ein und den selben Zweck erfüllen. Zum Beispiel kann ein Hund das „Herkommen“ von einem anderen Hund durch beobachten lernen, aber auch durch operante Konditionierung oder kognitives Lernen.

Als letzter Punkt der unterschiedlichen Formen des Lernens sei nun das „komplexe Lernen“
angeführt. Die schwierigste Form des Lernens. Von einem komplexen Lernvorgang spricht man einerseits dann, wenn zwischen unterschiedlichen Situationen differenziert wird und daraus eine Schlussfolgerung gezogen wird, aber andererseits auch wenn abstraktes Denken stattfindet.
Auch ein Hund ist fähig zu differenzieren und daraus eine Schlussfolgerung zu ziehen. Zum Beispiel erkennen Hunde sehr schnell wer deren Freund ist und wer nicht. Sie differenzieren zwischen wohlgesonnen und gleichgültigen Menschen. Dementsprechend wenden sie sich nur den Menschen zu, die sie lieben und gehen denen aus dem Weg, die sie hassen. Hier sind sie uns sogar überlegen, denn wir erkennen nicht immer welche Menschen uns nicht wohlgesonnen sind.
Ein weiteres Beispiel: Viele Hunde wissen, wann sie zu Hause bleiben müssen. Sie erkennen es an der Bekleidung des Menschen, daran dass man keine Leine in die Hand nimmt, geschminkt ist oder andere Kleinigkeiten. Sie differenzieren sehr genau zwischen den unterschiedlichen Situationen und ziehen daraus ihren Schluss: „Ich muss heute zu Hause bleiben.“
Aber das „komplexe Lernen“ inkludiert auch das abstrakte Denken. Es setzt voraus, dass man neben der Differenzierung und Schlussfolgerung von erlebten Situationen auch fähig ist, geistige Konzepte zu erstellen und daraus Probleme zu lösen.
Z. B. ist die Schrift etwas Abstraktes. Wenn wir etwas lesen können wir uns geistig vorstellen worum es geht, und das Problem am Papier lösen, oder wir sehen vor unserem geistigen Auge Orte, die wir noch nie besucht haben.
Da scheint die Grenze der Lernfähigkeit des Hundes. Im Profil 45/06; Superstar Hund: Forscher entschlüsseln die einzigartige Intelligenz der Vierbeiner wurde folgender Versuch beschrieben: „…Hunde sollten einen nicht direkt erreichbaren Fleischhappen grapschen, der an einer von zwei Schnüren befestigt war. Die Kordeln lagen in verschiedenen Positionen, mal in verschiedenen Abständen parallel zueinander, mal überkreuz. –Würden die Hunde verstehen, welches Schnurende wircklich zum Futter führte? ..Fehlanzeige“ Hier benötigt man abstraktes Denken – was wäre wenn. Und da scheinen die Grenzen der Hunde zu sein Der Mensch liest die Zeitung , der Hund liest seine Zeitung mit der Nase. Abstraktes Denken scheint also rein menschlich zu sein bzw. wurde es meines Wissens noch nicht bei Hunden nachgewiesen.

Aber eines ist eindeutig, die Hunde sind wesentlich intelligenter als es den meisten Menschen bewusst ist, und sie haben daher ein Recht darauf als Wesen behandelt zu werden.

Author: Daniela Sch.

SaveDogUnit

ist eine Art der Diensthundehausbildung. Hier ein kleines Video, damit Du siehst, wie die ersten Schritte im Training aussehen.

Der Good Guy Test

Ist Dein Hund ein guter Bürger?

Kann Dein Hund an der lockeren Leine gehen? Durch eine kleine Menschenmenge? Akzeptiert Dein Hund einen freundlichen Fremden, verhält er sich brav, wenn dieser ihn streicheln möchte? Kann Dein Hund sich setzen und legen wenn Du ihn bittest, wird er bleiben und auf Rufen von Dir kommen? Beweist Dein Hund anderen Hunden gegenüber gute Manieren und bleibt er bei Ablenkungen und ungewöhnlichen oder unerwarteten Situationen gelassen? Bewahrt er Haltung, bleibt er cool, wenn er von Dir getrennt ist und ein Fremder, dem Du vertraust, ihn an der Leine hält?

Ja? – Dann ist Dein Hund wahrscheinlich geeignet und bereit den Titel „Good Guy“ – guter Bürger auf vier Pfoten, zu erhalten und sich Urkunde, Titel und Ausweis zu verdienen.
Dafür muss nur ein kleiner Test, an der Leine, bestanden werden.

MotionDogs präsentiert den Good Guy Test.

Zeige allen, dass Dein Hund ein guter Bürger ist!

Alle Details zum Test und zu den Vorbereitungen kannst Du hier downloaden:

Der Good Guy Test

Wir Menschen bleiben gerne bei unserem Irrglauben, Tiere könnten nicht sprechen. Mit „Sprache“ meinen wir nur Sätze mit menschlichen Lauten. Tiere besitzen im Gegensatz zu uns (bei uns Menschen völlig verkümmert, aber teilweise noch vorhanden) vielfältige Sprachmöglichkeiten. Leider verstehen die Menschen die Sprachen nicht – viele wollen sie auch nicht verstehen. Wenn Menschen beim Lächeln die Zähne zeigen, kann das echt sein oder Heuchelei. Wenn ein Hund die Zähne zeigt, ist das keineswegs geheuchelt sondern eine echte Drohung. Mensch und Hund können aber voneinander die „Sprachen“ erlernen.

 

Summergrassmall

 

Halten wir zunächst einmal für uns fest, dass der Hund ein sehr gutes Gehör hat, er hört wesentlich höhere Töne als wir und jeder Laut ist für den Hund um ein Vielfaches lauter als für uns. Schreien oder Brüllen sind demnach nicht nur überflüssig sondern schädlich. Wenn wir immer nur laut mit unserem Hund sprechen oder ihn gar ständig mit lauten Kommandos traktieren, erreichen wir nur, dass er abstumpft. Außerdem verrät Schreien nur die Unsicherheit, und das nicht nur dem Hund. Denke daran, wer schreit, hat Unrecht!

Die deutsche Sprache ist sehr hart, zischend. Sie ist eine hervorragende Dienstsprache, der Deutsche kommandiert gern: Für den Hund, insbesondere während der Sprach-Lern-Phase klingen die üblichen Kommandos wie „Sitz“, „Platz“, „Fuss“ zu ähnlich – gerade der lernende Hund kann diese Kommandos, die schon leise gesprochen alle sehr zischend klingen, wie eine Drohung. Im Englischen klingen die Worte sehr unterschiedlich: „Sit“ für Sitz und Down für Platz sind für den Hund leichter zu unterscheiden. Außerdem klingt Down beruhigend und keineswegs scharf. Wenn also schon die deutsche Sprache für Hörzeichen verwendet wird, dann sollte stets leise und moderat gesprochen werden. Nur wenn man grundsätzlich leise spricht, kann man bei Bedarf den Ton verschärfen oder etwas lauter werden. Das „Platz“ sollte zudem dann lang gezogen ausgesprochen werden – „Plaaaatz“ und beruhigend klingen.

Bevor Du mit Deinem Hund arbeitest, übe, die Gebote und Verbote sprachlich deutlich – leise – voneinander zu unterscheiden. Jedes denkende Lebewesen stumpft ab, wenn Gebote und Verbote immer gleich klingen. Der lernende Hund braucht die klangliche Unterscheidung umso mehr. Je länger ein Hund bei uns lebt, umso mehr lernt er, die Worte zu unterscheiden. Dabei achtet er sehr auf den kleinsten Tonfall, die Gestik und Mimik, die unsere Worte (meist unbewusst) begleiten.

Monoton oder aus Unsicherheit einen ganzen menschlichen Satz in die Hörzeichen eingebaut, kann der lernende Hund nicht verstehen – er folgt dann vielleicht nur aus Angst, blindem Gehorsam, Druck oder Einfühlungsvermögen. Nach einigen Jahren der Gemeinsamkeit kann der Hund dann wahrscheinlich heraushören, was gemeint ist. Bis dahin war es für ihn jedoch ein adrenalinreiches Leben.

Mit dem Hund kann ich natürlich in ganzen Sätzen sprechen – wenn es aber darauf ankommt, dass der Hund sofort reagiert, benutze ich eindeutige klare Hör- oder Sichtzeichen.
Wenn jedoch mehrere Menschen gleichzeitig einen Hund erziehen wollen, kann das nur schief gehen – jeder spricht in einer anderen Weise mit dem Hund, der dann jeweils das tut, was er gerade für sich heraus hört.
Und das wird immer das sein, was für ihn angenehm ist. Natürlich läuft ein Hund lieber ohne Leine, sogar ohne Halsband, aber zu seinem Schutz und zum Schutz anderer geht es oft nicht ohne diese Hilfsmittel. Schlimmste Folge: Er rennt in ein Auto oder er springt ein Kind an. Das kostet nicht nur, es erzeugt Hass

Der Hund ist nicht schuld, denn er lernte es nicht besser. Man sieht und hört die eklatantesten Fehler immer wieder: Der Hund wird bestraft, wenn er herkommt. Auch wenn er auf einen gebrüllten Befehl nicht folgt: Der Hund verknüpft nur das unmittelbare Tun. Warum sollte er auf diesen furcht erregenden Ton hereinfallen und dann, wenn er es doch tut, auch noch bestraft werden? Da wäre er ganz schön bescheuert. Und diesen Fehler macht er nur einmal.

Also: für die Erziehung und Ausbildung des Hundes ist immer nur EINER zuständig!

Loben muss man können. Wo und wie loben? Das Wichtigste: Das Lob muss ernst gemeint sein, also nur nach erbrachter (und nicht nur angedeuteter) Leistung – und kein Selbstlob! Manche tragen prall gefüllte Leckerle-Tüten mit sich und verteilen rundum und alle Minuten. Das ist nur Eigensucht: „Guckt nur, alle Hunde kommen zu mir!“ Die Hunde nehmen es, klar, aber nicht als Lob.

Du willst doch auch nicht ständig durch leichte Schläge auf den Hinterkopf geärgert werden? Also lobe (kraulen, streicheln) den Hund dort, wo er es ebenfalls als Lob empfindet: am Nacken, an der Kruppe (Schwanzansatz), am Bauch, weniger am Hals. Hinter den Ohren kraulen mag nicht jeder Hund. Es sind empfindsame Stellen. Augenpartien, Ohrlappen, Genitalien und Ruten sind als Lobeszonen tabu. Und zwar besonders für Kinder und Fremde. Das sind die sensibelsten Zonen bei einem Hund.

Das heißt nicht, dass Du den Hund auch noch loben sollst, wenn er das Gebot nicht beachtete und irgendwann einmal doch herkommt. Ignoriere es und korrigiere es durch verstärkte Anregung, damit er freudiger zu Dir kommt. Spielzeuge, Stöckchen, ein gespieltes Rückwärtsrennen von Dir hilft. Du mußt ihn überzeugen, dass Du interessanter bist als der Hund da drüben.

Die meisten Halter verwechseln das Loben beim richtigen Anlass zum richtigen Zeitpunkt mit Verknuddeln. Dies versteht der Hund als Spielaufforderung und nicht als Lob. Richtig: Wenn er – nach Deinem verständlichen Zeichen – was korrekt ausgeführt hat, und nicht nur angetäuscht, dann mit der freien Hand kurz an der Flanke oder am Hals drüberfahren, eventuell mit einem lobenden Wort. Basta. Wer ihm vermeintlich freundlich einen Klaps gibt, munter ihn zum Spiel auf oder löst seine korrekte Ausführung vorzeitig auf. Ähnliche Missverständnisse kennst Du ja: der joviale Schulterschlag unter Menschen. Kann das Gegenteil von Lob bedeuten.

Dein Hund wird spontaner und freudiger zu Dir kommen, wenn er Angenehmes erwarten kann und keinen Anschiss zur falschen Zeit. Wer zu spät reagiert, den bestraft der konsequente Hund. Management by Motivation. Das Verständnis für den Hund fängt damit an, dass man ihn überhaupt kennt.

Der Hund hat sich an uns Menschen angepasst – wesentliche Kommunikations-Elemente sind reduziert. Wir müssen uns in den Hund hineinfühlen, um ihn zu verstehen. Das heißt: nicht vermenschlichend eigennützig, sondern verständnisvoll das Andere im anderen Lebewesen sehen, hören, riechen können. Dies bedeutet im übertragenen Sinne nichts anderes, als Toleranz gegenüber anderen Lebewesen zu üben. An den Körper- und Lautsignalen unterscheiden sich auch die Geschlechter und das Alter. Auch körperbauliche Typen differieren.

Das spiel auffordernde Knurren eines Herdenschutzhundes klingt viel dumpfer und tiefer, für kleinere Tiere bedrohlicher als das eines Winzlings. Der Resonanzboden des Brustkorbs macht die Töne: Bass gegen Flöte. Die Bauart bedingten Bewegungen eines Bernhardiners sind ungleich schwerfälliger als die eines italienischen Windspiels oder kleinen Terriers. Herdenschutzhunde wirken nur schwerfällig. Die Spielaufforderung eines extrem niederläufigen Dackels ist wesentlich schlechter ausgeprägt als die eines hochläufigen Hetzhundes. Der Dackel hat nur wenige Zentimeter, um mit dem Vorderbau Bodenkontakt aufzunehmen als ein Hund, der 80 Kilo oder/und 80 Zentimeter Schulterhöhe misst. Hunde in ihrer angezüchteten oder natur belassenen Vielfalt verhalten sich art- und aufgabengemäss. Die beiden Extreme Jagdteckel und Irish Wolfhound machen es deutlich. Die Beispiele Schlittenhund oder stehohrige Schäferhunde zeigen viel deutlicher Mimiken und Gesten als ein um die Signale Haare, Rute oder Ohren gebrachter Hund. Bei einem Lefzenmonster (meist Molosser) oder mit Überfell verdeckten Fang ein drohendes Fletschen zu erkennen, ist fast unmöglich, wenn da nicht der Ton dazukäme. Das Kupieren von Ruten und Ohren, ein mimik- und sicht behinderndes Überfell, Sichtbehinderungen oder unbiologische Kopfformen, Nasenraum-Rückbildungen, und ähnliche züchterische Exzesse behindern nicht nur den Hund in seiner Kommunikationsfähigkeit, sondern auch den Menschen, der einen fremden Hund beurteilen will und muss. Selbst ein ausgebildeter Hund gibt deutlichere Signale von sich als ein dumm gehaltener. „Ausbildung“ ist auch wörtlich zu verstehen.

Wir müssen also zunächst einmal unseren eigenen Hund kennen und verstehen lernen. Dann können wir beginnen, ihm unsere Sprache beizubringen. Wir erleichtern dem Hund das dadurch, dass wir unsere Gestik, Mimik und Sprache unter Kontrolle halten. Alles, was wir sagen und tun, müssen wir auch genau so meinen. Der Hund kann mit „wasch mich – aber mach mich nicht nass“ nichts anfangen. Er braucht eindeutige Signale.
Der Hund beobachtet uns hervorragend – er deutet für sich jede unserer noch so kleinen Gesten, jede Veränderung unserer Mimik und jede noch so winzige Veränderung in unserer Stimme. Dementsprechend reagiert er auch.

Bringen wir unserem Hund die Sprache mehr spielerisch bei (tun mit ihm Dinge, die ihm Spass machen, belohnen durch Spiel, durch unsere offen gezeigte Freude) und gehen freundlich mit ihm um, so lernt der Hund am liebsten und schnellsten. Da ist er von uns Menschen gar nicht so verschieden.

Die Mensch-Hund-Beziehung

Seit Jahrtausenden gilt der Hund als „Begleiter“ des Menschen, er wurde vom Menschen für dessen Zwecke „geschaffen“. Ob nun der Hund vom Wolf abstammt oder nur mit diesem verwandt ist, darüber mögen die Wissenschaftler streiten. Fakt ist, dass der Mensch den Hund durch gezielte Zucht zu dem gemacht hat, was er heute ist. Aus rein egoistischen Gründen wurde der Hund „zweckgebunden“ entwickelt, dadurch entstanden die verschiedenen Rassen. Der Hund diente dem Menschen als Werkzeug (Arbeits- oder Gebrauchshund), als Nahrungsmittel und Fell-Lieferant, als Diener (Assistenzhunde), als Waffe (Wach- und Schutzhunde) usw. Er wurde zu allem gebraucht, wozu der Mensch allein nicht fähig war und ist. Heute sind die meisten Hunde Psychologen oder Therapeuten (Familienhunde, Therapiehunde, Begleithunde) – sie dienen dem Menschen als Trost, Kinderersatz, Partner-Ersatz, Kindermädchen, zur Steigerung des menschlichen Selbstbewusstseins, als Statussymbol, Sportgerät oder medizinisch zur Therapie.

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Aus unserem Sprachgebrauch geht schon hervor, wie wir wirklich zu den Hunden stehen:

Gebrauchshund – Arbeitshund – Begleithund – Wach- und Diensthund – Unterordnung – Sporthund u. v. m.

Der Hund ist ein lebender Gebrauchsgegenstand. Er dient uns in jeder Weise – sei es, um unser Selbstbewusstsein zu stärken, unsere Einsamkeit zu teilen, Verluste zu verarbeiten, Lücken im menschlichen Sozialleben zu füllen – der Hund ist und bleibt „zweckgebunden“.

Wir haben den Hund so entwickelt, dass er allein kaum überlebensfähig ist (selbst Streuner halten sich vorwiegend in der Nähe von Menschen auf).

Dennoch braucht der Hund uns Menschen nicht – wir Menschen brauchen den Hund! Das sollte uns stets klar sein.

Sicher lieben wir unsere Hunde. Auch an unserem natürlichen Egoismus ist nichts Schlechtes, denn nur wer etwas hat, kann etwas geben. Auch Tiere sind egoistisch, auch sie müssen zunächst ihre Bedürfnisse so weit als möglich stillen, bevor sie etwas „geben“ können. Unser Egoismus ist also völlig natürlich. Unnatürlich ist es dann, wenn wir die Tiere so weit manipulieren, dass nur aus unserem menschlichen Schönheitswahn, Qualzuchten entstehen (völlig haarlose Hunde, die viel zu weit herausstehenden Augen von Pekinesen, Shitsus, und anderen Rassen). Der Mensch weiß halt nie, wo seine Grenzen sind. Dennoch lieben wir unsere Hunde – wir sollten das den Tieren jedoch auch zeigen, nicht indem wir sie nach Gutdünken bewusstlos knuddeln, sie mit Leckereien zustopfen, ihnen ein „menschliches“ Leben bieten. Wir sollten im Gegenzug unserem Hund all das geben, was er braucht um ein glückliches und zufriedenes Leben an unserer Seite führen zu können. Das heißt nicht, dass wir nur seine Grundbedürfnisse wie Futter, Wasser, Auslauf erfüllen sollen – ein Hund braucht so viel mehr:

Futter
Wasser
Med. Betreuung
Bewegung
Schlaf
Ruhe
Spiel
Betätigung
Gesellschaft
Artgenossen
Liebe
Bindung
Freundschaft
Treue
Verlässlichkeit
Klare Regeln
Rückzugsmöglichkeit
Verständnis
Ausleben seiner Gefühle
Ausleben seiner Instinkte
Ein Hundeleben führen zu dürfen
Eine Heimat
Sicherheit
Eine verständliche Sprache
Respekt
Vertrauen
Schutz
Bestätigung
Anleitung

Nur wenn wir unserem Hund all diese Bedürfnisse erfüllen, können wir behaupten, dass wir ihm für seine „Tätigkeiten“ den gerechten Lohn zahlen. Sein Leben mit einem Hund zu teilen, bedeutet, ihm ein „hundegerechtes“ Leben zu bieten, seine Bedürfnisse zu erfüllen, ihn mit den Gegebenheiten der menschlichen Zivilisation vertraut zu machen, ihn zu beschützen.

Wenn sich jemand entschließt, einen Hund zu adoptieren, hat er meist eine sehr genaue Vorstellung davon, was der Hund für ihn tun oder sein soll. Man sollte sich aber zunächst einmal fragen, was man für den Hund tun und sein will. Nur wer alle o. g. Bedürfnisse des Hundes erfüllen will und kann, sollte sich entschließen, mit einem Hund sein Leben zu teilen.

Einen Hund „auf Probe“ zu nehmen, oder gar mit „Umtauschrecht“, degradiert das Tier zu einem Gegenstand, den man beliebig austauschen kann. Wer sich entschließt, ein Kind in die Welt zu setzen, hat ja auch kein „Umtauschrecht“. Was, wenn das gewünschte Kind kein Junge ist, wie bestellt? Was, wenn das gewünschte Kind eine Behinderung hat? Tauscht Du es dann um? Wohl kaum.

Mit einem Hund zu leben, heißt aber auch, mit ihm eine Symbiose einzugehen. (Unter einer Symbiose versteht man eine Lebensgemeinschaft verschiedener Arten zum gegenseitigen Nutzen).

Gewalt jeglicher Art, sei sie psychisch (das wird heute gerne unter dem Deckmäntelchen des „Hundeflüsterns“ verkauft) oder physisch (die Art der Alpha- oder Dominanzvertreter) schließt eine Symbiose aus. Will man einem Hund ein artgemäßes Leben bieten, so ist die Basis „Verständigung“.

Verständigung heißt jedoch nicht, dass man sich in der „Sprache“ des Hundes unterhält (kein Mensch kann die feine Gestik, die sensible Körpersprache eines Hundes auch nur annähernd imitieren) – Verständigung heißt, dass man dem Hund unsere „Sprache“ beibringt. Es gibt tatsächlich Menschen, die ihren Hund stundenlang angähnen, um ihm die menschliche Gutmütigkeit nahe zu bringen. Die Methode der „Calming Signals“ hat bei einigen Menschen zu merkwürdigen Auswüchsen geführt.

Der Mensch macht es sich gerne leicht – er will für alles ein System, dem er blind folgen kann. Hat man es mit Lebewesen, dazu noch mit intelligenten Lebewesen, zu tun, kann dies nur schief gehen.

Jeder Hund ist ein Individuum, eine eigenständige Persönlichkeit – mit unnachahmlichem Charakter, individuellen Eigenschaften und muss demnach auch so behandelt werden.

Es gibt Richtlinien in der Erziehung eines Hundes, viele verschiedene Wege und Möglichkeiten – aber kein wirkliches System. Es gibt viele verschiedene Methoden, jedoch nur eine, die immer funktioniert: Partnerschaft durch Verständigung!

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