Jeder Hundebesitzer der seinen Hund erziehen will, muss sich irgendwann mit der Frage auseinander setzten: „Wie lernt ein Hund.“ Es gibt viele verschiedene Methoden einem Hund etwas beizubringen, und nicht immer führen alle Methoden zu dem gewünschten Ergebnis.
Wieso ist das so?
Ganz einfach – der Hund, oder besser gesagt seine Intelligenz, wird oftmals unterschätzt. Bei den meisten Erziehungsmethoden wird lediglich über Leckerli, auch positive Bestärkung genannt, oder über Zwang, negative Bestärkung, gearbeitet. Diese Art des Lernens nennt man auch „operante Konditionierung“. Ein typisches Beispiel: Der Hund legt sich auf den Befehl „Platz“ am Hundeplatz hin und erhält als Belohnung ein Leckerli. Der Hund führt somit auf Wunsch des Menschen eine Handlung aus und wird danach positiv verstärkt.
Doch wieso funktioniert diese, für uns Mensche sehr gut nachvollziehbare Methode – unsere positive Bestärkung ist das Geld, und ohne Geld funktionieren wir so gut wie gar nicht – bei manchen Hunden nicht mehr, wenn er am Hundeplatz längere Zeit liegen soll, oder wenn er einen anderen Hund sieht.
Die operante Konditionierung , ist wie der Name schon sagt eine Konditionierung – d.h. man versucht über ständige Wiederholungen eine Handlung zu automatisieren – es findet somit kein Denkprozess mehr statt, sondern es wird eine Handlung einfach aus Gewohnheit durchgeführt – bei uns Menschen wäre dass zum Beispiel das Auto fahren – wir schalten, kuppeln und lenken automatisch, ohne weiter darüber nachzudenken.
Aber ein Hund ist ein Lebewesen, wie wir auch, und er kann –auch wenn`s manchen schwer fällt es zu glauben, wie wir Menschen flexibel denken. D.h. wenn er keine Lust auf ein Leckerli hat, oder wenn der Hund interesanter ist, als das Leckerli – wird die operante Konditionierung versagen.
Jetzt stellt sich so mancher die Frage“ Und was macht man, damit der Hund sich verlässlich hinlegt und liegen bleibt?“ Meine Frage allerdings wäre „Warum soll der Hund am Hundeplatz liegen? Habe ich das Recht jederzeit von meinem Hund ein Platz zu verlangen, oder sollte ich auch auf die Bedürfnisse des Hundes Rücksicht nehmen, ihn als selbstständig denkendes Wesen akzeptieren und auf ein Platz ohne Sinn verzichten?“ Die verwunderliche Antwort zu den Fragen lautet:“ Akzeptiere ich den Hund als selbständig denkendes Wesen, wird er sich auch immer hinlegen, wenn ich es verlange, selbst dann wenn es keinen Sinn macht!!“ Ich glaube, sobald der Hund merkt, dass man ihn ernst nimmt und nicht nur beherrschen will, tut er es für dich! Auch wenn das sehr oft bestritten wird, es ist so!
Damit wären wir bei der nächsten Lernmethode: „Dem Lernen durch Einsicht“, oder auch kognitives Lernen genannt. Unter kognitivem Lernen versteht man, dass zwischen einem Problem und seiner Lösung ein Zusammenhang hergestellt wir. Ich konnte mich mit dem Lernen durch Einsicht bei Hunden lange nicht anfreunden, denn wie es oft der Fall ist geht eine Lernmethode nahtlos in eine Andere über. So wird der Sinn einer Übung vom Hund manchmal nicht sofort erkannt, er macht die Übung zuerst über operante Konditionierung, die dann aber in kognitives Lernen übergeht. Verwirrt? Ein Beispiel: Der Hund macht unter einem Tisch im Restaurant Platz, weil wir das Kommando geben und ihn anschließend dafür belohnen – operante Konditionierung – Jetzt kommt der Kellner zum Tisch nimmt die Bestellung auf, Leute gehen am Tisch vorbei, der Kellner kommt wieder bringt Getränke, Essen usw. Der Hund erkennt den Vorteil unter dem Tisch zu liegen, und nicht ständig von Fremden Leuten getreten zu werden. Beim nächsten Restaurant besuch, legt sich der Hund freiwillig, ohne jegliches Kommando unter den Tisch – er hat die Einsicht gewonnen- unter dem Tisch ist es bequemer. Was also über eine simple Konditionierung begonnen hat, geht in kognitives Lernen über. Und genau so sollte die Erziehung des Hundes erfolgen. Die Kommandos erhalten einen Sinn, der für den Hund erkennbar wird. Er wird uns freiwillig gehorchen in der weisen Voraussicht, dass unsere Kommandos einen Grund haben. Es baut sich somit ein Verhältnis des Vertrauens auf, das A und O einer sinnvollen Erziehung. An diesem Beispiel erkennt man deutlich, wann Kommandos ausgesprochen werden sollten, aber es zeigt auch, dass Kommandos richtig angewendet, dazu führen, dass man bald gar keine mehr benötigt, weil der Hund den Sinn erkennt und selbständig handelt. Es sei an dieser Stelle erwähnt, dass ich mit einem Platz-Kommando, nicht das im Sport übliche Platz meine, sondern einfach ein „Bitte leg dich hin“.
Im Gegensatz zu den Kommandos die einen Sinn bedeuten, sind Unsinn Kommandos, jene die lediglich dem Zweck der Unterordnung dienen. Befehle, die willkürlich vom Hundehalter ausgesprochen werden, ohne eine Bedeutung zu haben, wie das Beispiel „Platz“ auf einem Hundeplatz.
Basiert nun die ganze Erziehung lediglich auf Basis der „operanten Konditionierung“ ohne erkennbaren Sinn für den Hund führt das zu einer schlechten Kommunikation. Der Hund lernt uns zu ignorieren, da es für ihn keinen Grund gibt die Befehle auszuführen oder überhaupt auf uns zu achten. Diese Disharmonie in der Beziehung wird dann fälschlicher Weise als Ungehorsam interpretiert, ist aber aus Sicht des Hundes nur zu verständlich.
Ein weiteres Beispiel für kognitives Lernen, hat mir mein Hund geliefert: Wir waren im Wald vor einem Haufen großer Steine der eine Art Höhle mit zwei Eingängen gebildet hatte. Ich kletterte den ersten Eingang hinunter in die Höhle- mein Hund sollte nachkommen- aber was tat er? –er ging um die Höhle herum und kam von der anderen Seite zu mir- das war der einfache Eingang, ohne Kletterei. Wer war hier wohl der Blöde? Doch wohl nicht ich, oder? Wenn man glaubt das war Zufall, so kann ich jedem versichern, mein Hund schaut bei jeder Kletteraktion, ob ich den einfachen oder den schweren Weg gewählt habe und er findet den einfachsten Weg, manchmal ist es dann sogar mein Weg. Es gibt mehr solcher Beispiele, die kognitives Lernen beweisen würden, man muss dem Hund lediglich erlauben seinen Geist einzusetzen. Denn würde ich ihn Zwingen immer meinen Weg zu gehen, würde ich selbständiges Denken unterbinden. Aber wieso sollte ich das tun? Ich bin stolz einen intelligenten Hund zu haben und er kommt immer nach, also folgt er mir doch auf seine Art.

Aus den oben angeführten Beispielen wird nun ersichtlich, wie Erziehung sinnvoll erfolgt. Man bedient sich der „operanten Konditionierung“ als Hilfsmittel, aber ein wesentlicher Faktor ist das „kognitive Lernen“. Erst über diese Lernform erreicht man eine gute Zusammenarbeit zwischen den Partnern Mensch und Hund.
Das „kognitive Lernen“ ist auch der wesentliche Unterschied zwischen Erziehung und Dressur. Die Definition Dressur laut Wikipedia lautet: „Im Gegensatz zur Erziehung beim Menschen wird Tieren durch die Dressur beigebracht, auf Kommandos bestimmte Handlungen auszuführen, z.B. einem Hund, dass er sich auf Befehl „Platz“ hinzulegen hat.“ – und weiter heißt es: „Sie beruht auf bedingten Reflexen und auf die Fähigkeit…,durch Versuch und Irrtum und Wiederholung, neue Bewegungsweisen zu erlernen, die Erfolg(in Form sozialer Zuwendung oder Nahrung) bringen“. Dressur beruht also hauptsächlich auf „operante Konditionierung“, während sinnvolle Erziehung auch auf komplexere Lernformen wie z.B. das „kognitive Lernen“ zurückgreift.
Wie bereits oben angesprochen lernt ein Hund jedoch auf vielfältige Weise. Neben der „operanten Konditionierung“ und dem „kognitiven Lernen“ lernen Hunde auch noch über die „klassische Konditionierung“ , „Habituation“, „Lernen durch Beobachten“ und zu guter Letzt auch „komplexes Lernen“.
Die „klassische Konditionierung“ kann als Aufbau für die komplexeren Lernstufen angesehen werden. „Klassische Konditionierung“ bedeutet, dass ein neutraler Reiz zu einem konditionierten Reiz wird, der die selbe Reaktion auslöst wie der unkonditionierte Reiz .Beispiel: Ein neutraler Reiz wäre der Ball. Der unkonditionierte Reiz ist der Spieltrieb. Der Hund lernt: Der Ball bedeutet spielen und somit wird der Ball zum konditionierten Reiz. In vielen Fällen folgt also zuerst die „klassische Konditionierung“ bevor man mit der „operanten Konditionierung“ beginnen kann. Der Ball, das Lob und letztlich sogar das Leckerli sind konditionierte Reize, die mit dem Spieltrieb, Zuneigung oder Fresstrieb verknüpft werden – und dann als positive Bestärkung in der „operanten Konditionierung“ eingesetzt werden.
Aber auch der Mensch lernt auf diese Weise. Die Papierfetzten, die man Geld nennt, sind doch eigentlich wertlos, aber wir verknüpfen sie mit Autos, Häuser, Yachten – schon sind wir absolut manipulierbar. Also auch hier sind sich Mensch und Hund ähnlicher als man zuerst glauben mag.
Doch um sich in seiner Umwelt zurechtzufinden benötigt man noch andere, einfachere Formen des Lernens. So z.B. die„Habituation“ – Gewöhnung. Sowohl der Mensch, als auch der Hund gewöhnen sich an laute Geräusche, Gestank, unheimliche Figuren, enge Räume usw. Viele Dinge die uns anfänglich Angst machen, werden zur Gewohnheit und sind uns ebenso wie dem Hund bald egal.
Aber das Umfeld in dem wir leben, besteht nicht nur aus leblosen Gegenständen sondern auch aus Lebewesen mit denen man kommunizieren möchte. Gerade die Kommunikation lernt man über„Lernen durch Beobachten“. Wieder eine Methode des Menschen und des Hundes. Speziell Kinder oder Welpen lernen von ihren Eltern durch abschauen. Jeder der Kinder hat, weiß wie schnell sich Kinder Schimpfwörter merken und ebenso lernen Welpen von ihren Eltern über Gestik, Mimik und Laute miteinander zu kommunizieren.
Es wird nun ersichtlich, wie viele unterschiedliche Formen des Lernens es gibt, und das manche Lernformen für die Erziehung besser geeignet sind als andere, die wiederum andere Bereiche abdecken. Wobei man aber nie vergessen darf, es können mehrere Methoden ein und den selben Zweck erfüllen. Zum Beispiel kann ein Hund das „Herkommen“ von einem anderen Hund durch beobachten lernen, aber auch durch operante Konditionierung oder kognitives Lernen.
Als letzter Punkt der unterschiedlichen Formen des Lernens sei nun das „komplexe Lernen“
angeführt. Die schwierigste Form des Lernens. Von einem komplexen Lernvorgang spricht man einerseits dann, wenn zwischen unterschiedlichen Situationen differenziert wird und daraus eine Schlussfolgerung gezogen wird, aber andererseits auch wenn abstraktes Denken stattfindet.
Auch ein Hund ist fähig zu differenzieren und daraus eine Schlussfolgerung zu ziehen. Zum Beispiel erkennen Hunde sehr schnell wer deren Freund ist und wer nicht. Sie differenzieren zwischen wohlgesonnen und gleichgültigen Menschen. Dementsprechend wenden sie sich nur den Menschen zu, die sie lieben und gehen denen aus dem Weg, die sie hassen. Hier sind sie uns sogar überlegen, denn wir erkennen nicht immer welche Menschen uns nicht wohlgesonnen sind.
Ein weiteres Beispiel: Viele Hunde wissen, wann sie zu Hause bleiben müssen. Sie erkennen es an der Bekleidung des Menschen, daran dass man keine Leine in die Hand nimmt, geschminkt ist oder andere Kleinigkeiten. Sie differenzieren sehr genau zwischen den unterschiedlichen Situationen und ziehen daraus ihren Schluss: „Ich muss heute zu Hause bleiben.“
Aber das „komplexe Lernen“ inkludiert auch das abstrakte Denken. Es setzt voraus, dass man neben der Differenzierung und Schlussfolgerung von erlebten Situationen auch fähig ist, geistige Konzepte zu erstellen und daraus Probleme zu lösen.
Z. B. ist die Schrift etwas Abstraktes. Wenn wir etwas lesen können wir uns geistig vorstellen worum es geht, und das Problem am Papier lösen, oder wir sehen vor unserem geistigen Auge Orte, die wir noch nie besucht haben.
Da scheint die Grenze der Lernfähigkeit des Hundes. Im Profil 45/06; Superstar Hund: Forscher entschlüsseln die einzigartige Intelligenz der Vierbeiner wurde folgender Versuch beschrieben: „…Hunde sollten einen nicht direkt erreichbaren Fleischhappen grapschen, der an einer von zwei Schnüren befestigt war. Die Kordeln lagen in verschiedenen Positionen, mal in verschiedenen Abständen parallel zueinander, mal überkreuz. –Würden die Hunde verstehen, welches Schnurende wircklich zum Futter führte? ..Fehlanzeige“ Hier benötigt man abstraktes Denken – was wäre wenn. Und da scheinen die Grenzen der Hunde zu sein Der Mensch liest die Zeitung , der Hund liest seine Zeitung mit der Nase. Abstraktes Denken scheint also rein menschlich zu sein bzw. wurde es meines Wissens noch nicht bei Hunden nachgewiesen.
Aber eines ist eindeutig, die Hunde sind wesentlich intelligenter als es den meisten Menschen bewusst ist, und sie haben daher ein Recht darauf als Wesen behandelt zu werden.
Author: Daniela Sch.
